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Ein Kurzer Auszug aus dem Leben eines Mädchens, in dem sie von einer Person überrascht, von einer geliebt und von einer verraten wird. Was, wenn das, wovon man überzeugt war, wenn die Bedingungen und Umstände unter denen man gelebt hat sich verändern? Genau das passiert und genau dann braucht man jemanden, zu dem man gehen kann.

 

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Lest sie auf Bookrix oder hier, downloaded sie auf euren E-Book Reader, empfehlt sie weiter. Ich hoffe einfach, dass sie euch gefällt und wenn ihr wollt, lasst mir doch einen Eintrag im Gästebuch da, wie ihr die Geschichte fandet.

Liebe Grüße

Maike

 

Weil es bei ihm keine Absicht war - aber bei dir schon

 

„Bist du sicher, dass alles in Ordnung ist?“

„Aber ja doch! Nur weil ich mich nicht erinnern kann, was gestern Abend passiert ist, bin ich noch lange nicht in Lebensgefahr.“

„Aber es sieht dir gar nicht ähnlich, so viel zu trinken.“ Ich schielte vorsichtig zu der Ausbuchtung in Alex' Hosentaschen, aus denen er gleich das Messer ziehen würde um mich damit zu erstechen. Na ja, nicht richtig erstechen natürlich. Nur gespielt, genau wie gestern Abend. Ich zwang mich, nicht ins Publikum zu sehen, meiner Neugier, ob einige von ihnen ahnten was folgen würde, nicht nachzugeben.

„Ich war wohl einfach noch zu wütend auf dich. Ich habe nicht nachgedacht.“

„Ich habe doch gesagt, dass es mir Leid tut.“

„Und ich habe dir verziehen. Warum reitest du noch immer darauf herum?“

„Ich... ich weiß doch auch nicht. Vielleicht bin ich seit dem Unfall von Jessica und überhaupt wegen Baruna ein wenig paranoid.“ Das war wohl die größte Lüge, die die Figur von Cassandra in diesem Stück von sich gab. Sie war nicht paranoid, sie hatte Panik. Und zwar Panik davor, von der Hexe Baruna umgebracht zu werden.

„Und zwar aus gutem Grund.“ Alex setzte sein verklärtes Lächeln auf, zückte das Messer und stieß ein verrücktes Lachen aus. Ich wusste, dass es nur gespielt war, aber mir lief trotzdem ein kalter Schauer über den Rücken. Dann kam er auf mich zu, und ich stand da wie hypnotisiert. Erst als er mit dem Arm ausholte machte ich einen Schritt zurück – doch es war zu spät, das Messer traf mich voll in die Brust. Ich taumelte und fiel, so wie jeden Abend. Aber erst als ich auf dem Boden saß, wurde mir klar, dass ich wirklich Schmerzen hatte. Solche, die nicht nur einen blauen Fleck verursachten, sondern richtige. Ich sah an mir herunter und sah das Blut. Echtes Blut. Mein Blut, nicht wie sonst Theaterblut. Ich sah Alex an, der erschrocken auf das Messer starrte und brach zusammen. Ich wusste, dass in diesem Moment Jasmin auf die Bühne kam um die siegreiche Baruna zu spielen. Ich hörte, wie Alex das Messer fallen ließ, genau wie er es im Stück auch tat. Und wie er sich neben mich kniete und die Hände auf meine Brust presste. Doch heute war die Angst in seinen Augen nicht gespielt.

Ich keuchte, weil ich kaum Luft bekam. Ein Röcheln stieg aus meiner Kehle hervor.

„Ruft einen Krankenwagen! Na los, schnell! Sie verblutet!“ Und ich sah, wie Alex die erste Träne über die Wange lief, und als sie fiel, verschwamm mein Blick und alles wurde weiß. „Nein, nein, bitte nicht. Bitte, Viola, du musst bei mir bleiben. Komm sieh mich an. Sieh mich an!“ Ich versuchte es, versuchte es wirklich und tatsächlich konnte ich Alex für einen Moment wieder sehen. Doch die Schmerzen waren mittlerweile so stark, dass ich die Augen gar nicht mehr offen halten wollte. Ich wollte nur noch, dass es aufhörte. Dieses Brennen. Diese Kälte, die mich bei jedem Atemzug durchströmte.

Ich glaube, dass war der Moment, in dem das Publikum begriff, dass das hier nicht mehr gespielt war. Ich glaube, ich war schon gar nicht mehr bei Bewusstsein, als jemand den Notruf wählte und Jasmin zu uns gestürzt kam. Als sie in das Publikum schrie, ob denn niemand Arzt sei und sich eine Frau erhob, die sagte, sie sei Tierärztin. Die dann nach vorn gerannt kam und Alex anwies sein T-Shirt auszuziehen, um damit zu versuchen die Blutung zu stillen. Alles um mich herum war schwarz, und all das erfuhr ich erst viel später. In diesem Moment spürte ich nur, wie der Schmerz langsam nachließ und ich mich von meinem Körper löste.

„Nein, Viola, bitte. Du darfst nicht sterben. Bitte. Bitte, komm zurück. Ich liebe dich. Bitte...“ Der Rest von Alex' Satz ging im allgemeinen Tumult und seinem Schluchzen unter, doch das Wichtigste hatte ich gehört. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich wiederholte seine Worte immer wieder in Gedanken. Und ohne, dass ich es wirklich steuerte, kam der Schmerz zurück und ich atmete noch einmal. Ein und aus. Ein und aus. Ich hatte das Gefühl, dass immer weniger Luft meine Lungen auch erreichte, aber jetzt kämpfte ich. Ein und aus. Ich liebe dich. Ein und aus.

Kurz darauf, musste der Helikopter im Schulhof gelandet sein. Die Notärzte kamen hereingestürmt, legten mich auf eine Trage und brachten mich hinaus. Jasmin hat mir erzählt, dass Alex die ganze Strecke nebenher gelaufen ist und meine Hand erst losließ, als die Notärzte mich in den Hubschrauber hoben.

 

Das nächste, an das ich mich erinnern kann, war, wie ich im Krankenhaus wieder aufwachte. Als erstes hörte ich das grässliche Piepen von diesem Gerät, das meine Herzschläge aufzeichnet. Dann meinen eigenen Atmen. Erleichtert stellte ich fest, dass es zwar wehtat, aber ich trotzdem wirklich Luft bekam. Schließlich öffnete ich die Augen.

„Mama?“ Eine kleine Person saß mit herunterhängenden Schultern neben meinem Bett. Rote Locken waren das Einzige, was mir bei der Identifizierung half.

„Viola?“ Sie hob den Kopf. Ja, es war wirklich meine Mutter. Sie hatte schwarze Ringe unter den Augen und sah aus, als hätte sie in letzter Zeit mehr geweint, als ein Mensch in seinem ganzen leben weinen sollte. „Viola! Oh mein Gott. Du bist wach! Geht es dir gut? Hast du Schmerzen? Brauchst du irgendwas?“ Sie ließ mir gar keine Zeit zu antworten, „Ich bin so froh, dass du noch lebst. Ich hatte solche Angst um dich und dein Vater auch. Wir haben kein Auge zugetan, seit es passiert ist. Soll ich eine Krankenschwester rufen? Ja, dass sollte ich wahrscheinlich, aber ich bin so froh, dass es dir gut geht. So froh.“ Und dann küsste sie mich einhunderttausend mal auf die Stirn, was ziemlich feucht ausfiel, weil sie schon wieder weinte.

„Wo ist er?“

„Dein Vater ist gerade bei einem der Ärzte. Er wird so froh sein, wenn er dich wach sieht.“

„Nicht Papa, Alex.“ Ich hatte keine Ahnung, was passiert war, seit dem Theaterstück oder wie viel Zeit vergangen war. Aber ich wollte ihn sehen.

„Oh. Er... er ist in der Kantine. Er ist zwei Tage lang nicht von deiner Seite gewichen, außer wenn die Polizei ihn verhört hat. Jetzt wäre er wohl auch nicht gegangen, hätte die Oberärztin nicht darauf bestanden, als sie sagte, dass er was essen müsste, wenn er nicht der Nächste sein wollte, der hier liegt. Geht es dir gut? An was kannst du dich erinnern?“

„Ja, mir geht es gut. Ich... ich weiß nicht. Wie lange war ich... weg?“

„Drei Tage lang. Die Ärzte sagen, es ist ein Wunder, dass du überhaupt überlebt hast.“

„Drei Tage? Dann... dann ist heute... Dienstag?“

„Ja mein Schatz. Wir...“ Anstatt ihren Satz zu beenden drehte meine Mutter den Kopf. Ich hatte auch etwas poltern hören, konnte das Geräusch aber im ersten Moment nicht einordnen. Viel später wurde mir erst klar, dass es die beiden Polizisten gewesen waren, die Alex umgestoßen hatte. Ich hörte wie die Tür aufging und ganz kurz kamen Stimmen von außen in das Zimmer, aber dann fiel sie wieder zu und Alex stand neben meiner Mutter.

„Viola. Du bist aufgewacht... Ich... ich... Es tut mir so Leid. Ich habe keine Ahnung...“ Und dann verstummte er und sah mich einfach nur an. Ich sah, dass auch er geweint, und kaum geschlafen hatte. Meine Mutter stand aus, lächelte mir ermutigend zu, legte Alex kurz die Hand auf die Schulter und verließ den Raum. Alex setzte sich.

„Hi.“ sagte ich.

„Hi.“ Und dann schwiegen wir, bis Alex sich zur Tür wandte. „Deine Mutter ist ziemlich gut darin, ihren Kopf durchzusetzen.“

„Ja. Warum?“ fragte ich. Ich wollte auch zur Tür sehen, aber etwas hinderte mich daran. Ich hob die Hand um das Seil oder was immer es war aus meinem Gesicht zu entfernen, aber Alex hielt mich zurück.

„Nicht. Sie hält gerade die Polizisten davon ab herein zu stürmen und mich von dir weg zu reißen. Es ist nicht das erste Mal, dass sie das macht.“

„Wirklich?“ Das konnte ich mir zwar bildlich vorstellen, aber in der Realität? „Weiß sie, dass wir... dass wir zusammen sind? Und weiß mein Vater es?“ Alex nickte, „Wie haben sie reagiert?“

„Darüber machst du dir Sorgen? Wie deine Eltern darauf reagiert haben, dass du einen Freund hast? Du bist fast gestorben, und das meinetwegen. Dein Vater... er ist nicht glücklich darüber. Aber deine Mutter unterstützt mich, wenn sie kann.“

„Warum?“

„Keine Ahnung.“ Er schluckte, „Du musst mir glauben, dass ich die Messer nicht vertauscht habe. Ich hatte keine Ahnung, dass es ein echtes war. Ich meine, ich hab es wie immer drei Mal vor der Aufführung gecheckt und auch noch mal, kurz bevor ich damit auf die Bühne ging. Ich wollte doch nicht, dass...“ Das Wort blieb ihm im Hals stecken. Ich drückte leicht seine Hand mit meiner, die er noch immer nicht losgelassen hatte.

„Ich weiß. Ich glaube dir.“

„Du... du glaubst mir?“

„Ja, natürlich. Du könntest keiner Fliege etwas an tun.“

„Aber das hab ich doch! Ich meine, sieh dich an. Du liegst im Krankenhaus. Ich, ich hab gemerkt, dass irgendetwas an dem Messer anders war als sonst, aber ich habe gedacht, ich bilde mir das nur ein. Aber dann lagst du da und...“

„Hey, hör auf damit. Sieh mich an. Du. Kannst nichts. Dafür. Okay?“ Widerwillig nickte er.

„Was will die Polizei von dir?“

„Die wollen mich verhaften. Ich meine, um die hundert Menschen haben gesehen, wie ich dich mit einem Messer abgestochen habe.“

„Verhaften? Das können die nicht machen!“ Ich wusste selbst, wie erbärmlich das klang. Ich hörte, wie dieses nervige Piepen schneller wurde.

„Nicht aufregen. Ich bin ja hier. Mein Vater und deine Mutter haben sie überzeugt, mit einer Verhaftung zu warten, bis du deine Aussage gemacht hast. Bis dahin stehe ich nur unter ständiger Beobachtung. Nur eine Fußfessel haben sie mir noch nicht verpasst.“ Er verzog das Gesicht zu einer Grimasse, im verzweifelten Versuch die Sache herunter zu spielen.

„Dann werde ich eine Aussage machen. Wenn ich denen sage, dass es nicht deine Absicht war, mich zu verletzen, dann lassen die dich doch in Ruhe, oder?“

„Ich bin mir nicht sicher, ob das so leicht ist. Sie brauchen einen Schuldigen. Und wen, wenn nicht den Dummen, der den Strich ausgeführt hat?“

„Wie wäre es mit dem wahren Täter?“

„Und wie willst du den finden?“

„Vielleicht kann ich da helfen.“ Alex drehte den Kopf und ich sah, wie seine Augen sich verengten. Es war klar, dass er sich nicht sonderlich über den gerade eingetroffenen Besuch freute. Erst nach ein paar Sekunden begriff ich, wer da gekommen war und woher ich die Stimme kannte. Es war Saskia.

Saskia war in meiner Stufe. Wir waren nie Freundinnen gewesen, genau genommen mieden wir uns, so gut es ging. Und sie war die Ex von Alex.

„Saskia, was willst du hier?“

„Mich entschuldigen, was sonst.“ Sie trat näher an das Krankenbett heran, damit ich sie sehen konnte. Sie sah uns an, als würde sie erwarten, dass wir den nächsten Schritt taten, aber wir schwiegen. „Ich wollte sagen, ich meine gestehen...“ Sie holte noch einmal tief Luft, „dass ich die Messer ausgetauscht habe.“

„Wie bitte?“ Alex war aufgesprungen und baute sich drohend vor ihr auf. Ich hörte, wie die Tür ging und vermutete, dass die Polizisten soeben reingekommen waren.

„Ich... Es tut mir Leid, okay? Ich hab gedacht, du würdest sie damit nur am Arm treffen oder so, ich wusste doch nicht...“

„Du wolltest sie verletzen? Sag mal hast du sie noch alle? Sie ist fast gestorben!“

„Ich weiß. Und es tut mir so unendlich Leid. Ich war nur so wütend und da... Es war eine dumme Idee.“ Ich konnte sehen, dass Alex sich zu einer weiteren Schimpftirade bereit machte, aber ich kam ihm zuvor.

„Warum?“ fragte ich. Die beiden wandten sich wieder mir zu.

„Weil ich neidisch auf dich war.“ meinte Saskia nach einer Weile.

„Du? Neidisch? Auf mich?“ Das war das wohl Lächerlichste, was ich je gehört hatte.

„Ja. Du hast alles, wovon ich immer nur geträumt habe. Drei beste Freundinnen, auf die du immer zählen kannst. Du hast gute Noten. Du wurdest von allen respektiert. Und du hattest Alex. Das war wohl der Tropfen, der bei mir das Fass zum überlaufen brachte.“ Sie sah verlegen auf den Boden.

„All die Jahre, habe ich mich von dir ferngehalten, weil ich Angst vor dir hatte. Weil ich immer dachte, dass du dieses einflussreiche, hübsche, sportliche Mädchen bist, dass jeden Jungen haben könnte. Wirklich jeden. Ich war neidisch auf dich.“ antwortete ich. Das hatte ich so noch nie laut ausgesprochen, aber es überraschte mich nicht wirklich, dass ich es jetzt tat. Das lag bestimmt an den Schmerztabletten, deren Wirkung gerade ziemlich rasant nachließ.

„Das wusste ich nicht. Tut mir Leid.“ Dann wandte sie sich um und sagte zu den Polizisten: „Ich habe die Messer ausgetauscht, weil ich wollte, dass Viola verletzt wird. Ich wollte ihr einen Denkzettel verpassen, damit sie sich von Alex fernhält. Ich wollte sie nicht umbringen. Aber ich habe es fast getan und das bereue ich. Wirklich.“

 

Vor zwei Tagen haben sie mich aus dem Krankenhaus entlassen. In die Schule war ich noch nicht wieder gegangen, das konnte ich einfach nicht. Auch wenn ich wusste, dass Saskia nicht da sein würde. Über der Narbe klebte ein großes Pflaster. Es war ein komisches Gefühl, daran zu denken. Ich wollte sie gern sehen, nur um sicher zu sein, dass ich mir das alles nicht nur eingebildet hatte. Aber ich hatte auch schreckliche Angst davor. Jedes Mal wieder, wenn ich das Pflaster wechselte.

„Viola. Wir müssen reden.“ Mein Vater. Er saß im Wohnzimmer auf dem Sofa und hatte anscheinend nur darauf gewartet, dass ich nach unten kam.

„Okay. Worum geht es denn?“

„Um diesen Jungen, Alex.“
„Und?“

„Ich möchte nicht, dass du ihn weiterhin triffst.“
„Wie bitte?“

„Er ist mit einem Messer auf dich losgegangen und du wärst fast gestorben. Ich traue ihm nicht und du solltest das auch nicht tun.“
„Er konnte nichts dafür! Er hat gedacht, es wäre das Gummi-Messer, dass wir sonst auch benutzten!“ Ich wusste, dass es keine gute Idee war meinen Vater anzuschreien. Das war es noch nie gewesen.

„Das macht keinen Unterschied! Er ist gefährlich. Und deshalb wirst du ihn nicht mehr treffen.“ Mein Vater war aufgesprungen und ich tat es ihm gleich, weil ich es hasste, nach oben sehen zu müssen, vor allem bei einem Streit.

„Und was sagt Mama dazu?“
„Das ist nicht wichtig! Ich sage, du wirst ihn nicht mehr sehen, also wirst du ihn nicht mehr sehen! Basta.“

„Ich lasse mir von dir nicht vorschreiben, mit wem ich mich treffen darf und mit wem nicht. Ich bin alt genug.“ Und dann passierte es. Ich spürte das Brennen, bevor ich realisierte, was geschehen war. Ich drehte langsam den Kopf zurück zu meinem Vater, versuchte die Tränen zurück zu halten und ihm nicht die Genugtuung zu geben, mich weinen zu sehen. Er ließ gerade die Hand sinken, mit der er mir eine Ohrfeige verpasst hatte. Er sah etwas ungläubig aus, aber nicht, als würde er es bereuen.

„Ich gehen spazieren. Ich weiß noch nicht, wann ich zurück bin.“ Dann drehte ich mich auf dem Absatz um, rannte in den Flur, schnappte meine Jacke und meine Tasche und verließ das Haus. Erst nach ein paar Hundert Metern hörte ich auf zu rennen. Die Tränen waren mittlerweile übergeflossen und meine Narbe pochte, als würde sie jeden Moment aufplatzen. Der Arzt hatte gesagt, ich sollte jede Anstrengung vermeiden. Zu spät, würde ich mal sagen. Schmerztabletten hatte ich auch keine dabei. Ich lief noch ein paar Meter, bevor ich mich auf die Bank einer Bushaltestelle setzte. Dann legte ich den Kopf in die Hände und begann richtig zu weinen.

Nach ein paar Minuten wurde mir klar, dass ich nicht ewig hier sitzen bleiben konnte. Also zückte ich mein Handy und wählte die erste Nummer, die mir einfiel.

„Hallo?“

„Hey Alex. Kannst du mich abholen?“ Ich versuchte es zu unterdrücken, aber ich wusste, dass er das Zittern in meiner Stimme hörte.

„Was ist passiert? Wo bist du?“

„An der Bushaltestelle. Ich... komm einfach so schnell du kannst her. Bitte.“ Ich merkte, dass schon wieder ein Schluchzen in mir aufstieg als er „Bin sofort da.“ sagte und auflegte. Langsam packte ich das Handy wieder weg und versuchte die nächsten paar Minuten, die Tränen zurück zu halten. Alex würde so schon besorgt genug sein.

 

 

 

 

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