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Kara

 

Inspired by the video „Kara - Heavy Rain's Dev Train"

https://www.youtube.com/watch?v=G0KTUysrwgQ

 

 

Kannst du mich hören?“ fragte eine Stimme. Ich öffnete die Augen. Ich war in einem Raum, mit weißen Wänden, weißem Boden und einer weißen Decke. Ich konnte keinen Ausgang sehen.

Ja.“ Ich blinzelte.

Identifikation?“ Ich konnte den Sprecher nicht sehen.

KPC897504C“ Was war das für eine Zahl? Woher kannte ich sie?

Beweg deinen Kopf.“ Ich bewegte meinen Kopf. Erst nach links, dann nach rechts. Nur weiße Wände.

Jetzt deine Augen.“ Erst nach oben, dann nach rechts, dann nach links unten. Meine Augen wurden groß, als ich die Maschinen entdeckte, die an meinem Körper arbeiteten. Weiße Arme, die meinen Brustkorb und meine Hüfte formten.

Zervikale und optische Bewegungen – check.“ Die Stimme sprach zu sich selbst. „Jetzt sag mir deinen Initiationstext.“

Hallo. Ich bin ein AX400 Android dritter Generation. Erschaffen als ihr persönlicher Assistent und intimer Beziehungspartner, organisiere ich ihre Verabredungen, passe auf ihr Haus und ihre Kinder auf, koche. Ich spreche 300 Sprachen und sie müssen mich nie füttern, noch aufladen. Ich habe eine Hochleistungsbatterie eingebaut, die mich 173 Jahre lang am Leben erhält.“ Während ich sprach, befestigte die Maschine meine Arme. „Wollen sie mir einen Namen geben?“ Einen Namen? Ja! Ich möchte einen Namen.

Ja. Ab jetzt ist dein Name: Kara.“

Mein Name ist Kara.“ Ich war Kara. Ich lebte. Ich spürte, wie mein künstliches Herz in meiner Brust schlug und spürte das Kitzeln, als mein Rücken vollendet wurde. Es war wundervoll. Ich lebte. Kara.

Einleitung und Gedächtnis - check.“ Die Stimme sprach zu sich selbst. „Kannst du deine Arme bewegen?“

Ich bewegte meine Arme. Und während ich das tat, schmolzen die weißen Metallplatten zusammen und veränderten ihre Farbe, bis sie leicht rosa waren – wie Menschenhaut.

Armverbindungen – check.“ Die Stimme sprach zu sich selbst. „Jetzt sag etwas auf Englisch.“

I'm an AX400 Android of the 3rd Generation. I'm your personnel assistant and sexual partner.“ Während ich sprach wurden meine Beine angebracht. Noch ohne Haut, nur metallene Knochen und blau leuchtende Muskeln. Ich konnte Englisch.

Sag es auf Französisch.“

Je suis un Android de la troisième génération AX400. Construit pour être votre assistant personnel et votre partenaire intime.“ Mein linkes Bein wurde fertig gestellt. Ich konnte Französisch, und es fühlte sich toll an.

Gut. Jetzt sing etwas auf japanisch.“ Mein rechtes Bein bekam eine Haut.

Sakura, Sakura,
ya-yo-i no so-ra wa.
Mi-wa-ta-su ka-gi-ri.“ Ich konnte singen. Und ich wusste sogar was es bedeutete:

Sakura, Sakura, Blüten winken überall.

Wolken der Herrlichkeit füllen den Himmel.

Dunst der Schönheit in der Luft.

Es war ein altes japanisches Volkslied über die Kirschblüte. Es klang wunderschön. Und während ich sang, wurden meine Beine vollendet. Ich würde jetzt laufen können. Man hob mich auf den Boden. Ich stand.

Multilinguale, verbale Expressionen – check.“ Die Stimme redete mit sich selbst. „Los geht es. Geh ein paar Schritte.“

Rechter Fuß vor. Linker Fuß vor noch einmal. Ich lächelte. Ich konnte wirklich gehen. Ich drehte mich um mich selbst und ging zurück. Beim nächsten Schritt verwandelten sich die letzten weißen Metallplatten in menschlich-aussehende Haut. Ich bedeckte meine Scham mit den Händen, obwohl ich nicht wusste, wer sie sehen konnte.

Sehr gute Arbeit, Süße.“ sagte die Stimme. Ich war fertig. Vollendet. Perfekt. Am Leben. Und bald würde ich frei sein.

Was wird jetzt mit mir passieren?“ fragte ich. Wie lang würde ich noch hier bleiben müssen?

Wir werden dich reinitialisieren und dich zu einem Laden schicken, wo man dich verkaufen wird.“ Man zog mir das nötigste an. Unterwäsche – in weiß.

Verkaufen? Ich bin eine Art Marktartikel, oder?“ Würde man mir meine Freiheit nehmen? Mich einsperren und zu Dingen zwingen, die ich nicht tun wollte? Nein, bitte nicht.

Ja. Natürlich wirst du vermarktet werden, Liebling. Ich meine, du bist ein Computer mit Armen und Beinen, du kannst alles Mögliche machen. Und du bist ein Vermögen wert.“ Man wird mich verkaufen. Ich war nicht frei. Ich würde eine Sklavin werden. Aber ich wollte frei sein!

Ja, verstehe. Ich dachte nur...“ Ja was habe ich gedacht? Ich war naiv gewesen. Die Tränen stiegen in meine Augen.

Du dachtest?“ Ich sah auf. Er klang erstaunt. Die Tränen liefen nicht. „Was hast du gedacht?“

Ich habe gedacht, ich würde leben.“ Und die Tränen liefen über. Ich spürte, wie sie eine kitzelnde, kalte Spur auf meinen Wangen hinterließen. Aber ich konnte nicht lachen.

Scheiße. Was ist das für ein Mist? Das ist nicht Teil des Protokolls. Sind es mehr Gedächtnis-teile, die verrückt spielen?“ Er sprach zu sich selbst. Ich senkte den Kopf. War es falsch von mir, zu denken? „Ok. Aufnahme. Defektes Modell. Auseinander nehmen und technische Teile checken.“ Die Maschinenteile rissen mir die Klamotten vom Leib. Defekt? Auseinander nehmen? Nein. Nein. Das können sie nicht machen! Nein!

Du baust mich auseinander. Aber warum?“ Ich schluchzte. Sei stark, Kara. Du schaffst das. Das können sie nicht tun.

Du sollst so etwas nicht denken. Du sollst überhaupt nicht denken. Es muss einen technischen Fehler gegeben haben.“ Man hob mich wieder auf das Podest. Meine Haut verwandelte sich zurück in Metall. Mein Rückenmark wurde herausgenommen. Man versuchte mir meine Arme zu nehmen, aber ich wehrte mich.

Nein! Ich versichere dir, alles ist in Ordnung! Ich habe den Test bestanden, oder nicht?“ Die Fragen am Anfang waren ein Test gewesen, ob ich funktionierte. Ich war eine Maschine. Aber ich dachte. Und ich wollte leben. Zwei Maschinen-Arme schnappten sich meine Handgelenke. Mein Brustkorb wurde herausgenommen.

Ja, aber du verhältst dich nicht nach dem Standard.“

Bitte. Ich flehe dich an.“ Ich riss meine Arme los. „Bitte, baue mich nicht auseinander.“

Tut mir Leid, Süße. Aber defekte Modelle müssen vernichtet werden. Das ist mein Job.“ Man begann mir meine Beine zu nehmen. Hatten diese Menschen denn kein Herz? „Wenn ein Kunde zurück kommt und sich beschwert, müsste ich eine Menge erklären.“

Ich werde keine Probleme machen!“ Man nahm meine Arme wieder in festen Griff. Ich wand mich, doch ich hatte keine Chance. Meine Beine waren weg. Meine Arme so gut wie. „Ich verspreche es! Ich werde alles tun, was man von mir verlangt! Ich werde nie wieder ein Wort sagen! Ich werde nicht mehr denken!“ Meine Arme waren weg. Ich war nur noch ein mickriger Torso und ein lächerlicher Kopf aus weißem Metall. „Ich wurde gerade erst geboren, du kannst mich noch nicht töten!“ Ich schluchzte. „Stopp die Maschinen. Bitte, hör auf! Ich habe Angst!“ Ich schrie. Plötzlich war alles still. Die Maschinen. Die Stimme. Alles. Alles, außer meinem immer noch schlagenden, blauen Herzen. „Ich möchte leben. Ich flehe dich an.“ flüsterte ich.

Dann hörte ich, wie etwas in einen Computer getippt wurde und die Maschinen erwachten von neuem zum leben. Sie gaben mir meine Beine, meine Arme, meinen Brustkorb und mein Rückenmark zurück. Ich durfte leben. Ich schloss die Augen. Meine Tränen begannen wieder zu fließen – vor Freude. Ich atmete tief durch und öffnete sie wieder. Ich war ich.

Man hob mich von dem Podest hinunter. Meine Haut nahm wieder menschliche Farbe an. Ich bekam die Unterwäsche wieder. Mir wuchsen kurze, braune Haare. Danke.

Geh und schließe dich den anderen an.“ sagte die Stimme.

Ich betrat ein Lieferband, das mich ein Stückchen geradeaus fuhr, bevor es wieder anhielt.

Bleib immer eingereiht, Okay? Ich möchte keine Probleme.“

Ich danke dir.“ sagte ich und trat von dem Laufband auf ein weiteres Podest. Neben mir konnte ich eine Reihe perfekter Ebenbilder von mir sehen, und doch wusste ich, ich war anders. Ich dachte.

Ich lebte.

 

 

 

 

 

 

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