Dies ist eine kostenlose Homepage erstellt mit hPage.com.

 

Reise ins Traumland

 

Ich wachte auf und lag auf dem Boden. Vor meiner Nase die Tischbeine meines Schreibtisches, auf dem meine Kamera lag - griffbereit - wie immer. Wie bin ich auf den Boden gekommen? Ich bin sicher, dass ich in meinem Bett eingeschlafen war. Vielleicht schlafwandle ich ja, so wie Granny. Erst letzte Woche war sie in ihrem Gewächshaus aufgewacht, anstatt in ihrem Bett.

Vorsichtig stand ich auf. Mir tat nichts weh, also bin ich zumindest nicht aus dem Bett gefallen. Aber wie bin ich dann auf dem Boden gelandet? Ich sah mich in meinem Zimmer um. Alles wie immer: nichts an seinem eigentlichen Platz ausser meiner Kamera. Aber trotzdem stimmte irgendetwas nicht. Irgendetwas war anders. Der Boden! In meinem Zimmer lag ein heller Eichen-Laminat. Das hier war weder Eiche, noch hell noch Laminat. Das war dunkles Echtholz. Aber wie kamen dann meine Sachen hier her?

Ich sah aus dem Fenster. Das ist nicht unser Garten. Und definitiv der Blick aus einem Erdgeschoss, und nicht von meinem Dachfenster. Ein Wald vor meinem Fenster wächst ein Wald. Bin ich etwa Dornröschen? Denn ich muss so 100 Jahre geschlafen haben, wenn dieser Wald wärenddessen gewachsen war. Aber er war wenigstens schoen. Dieser Herbstwald leuchtete in Gelb-, Rot- und Orangetönen. Moment - Herbstwald? Wir hatten Mai! Egal, diese Gelegenheit durfte ich mir nicht entgehen lassen.

Ich schnappte mir meine Kamera und lief aus der Tür. Und landete so prompt in dem Wald, anstatt im Treppenhaus. Oh mann, Mum hat Recht ich werde wirklich verrückt vom Fotografieren. Egal, hauptsache, ich bekomme schoene Bilder, die ich fuer mein Anmeldeformular für den Kurs benutzen kann.

Schon nach ungefähr Hundert Metern stieß ich auf ein schoenes Motiv - ein Entwurzelter Baum, der eine Brücke ueber einen winzigen Bach bildete. Ich stelte meine Kamera ein und machte ein Bild. Das würde ich kaum bearbeiten müssen, die Farben waren so schon ausdrucksstark genug. Von der anderen Seite - mit den Wurzeln im Vordergrund, würde es noch besser aussehen. Ich könnte einfach ueber den Bach springen, oder ich balanciere ueber den Stamm. Das dauert laenger, birgt die Gefahr zu fallen und macht mehr Spass. Ich haengte mir den Trageriemen meiner Kamera ueber den Kopf und stieg auf den Baum. Eins, zwei, drei Schritte und ich war drüben. Als ich mit umdrehte um das Bild zu machen, war der Bach verschwunden. Entweder ich bin verrückt oder irgendetwas läuft hier gewaltig schief. Egal, ich stand nämlich jetzt vor einem wunderschönen, kleinen Haus mit Strohdach. Richtig niedlich und perfekt als Haus der sieben Zwerge. Schnell ein Foto, bevor es wieder verschwindet. Es hat sich wirklich gelohnt herzukommen. Eine Nahaufnahme von dem Dach von unten mit dem bunten, aber dann unscharfen Blätterdach würde sich wunderbar in meinem neuen dunklen Bilderrahmen machen. Verstohlen blickte ich mich um. Ich hatte schon oft genug Aerger bekommen, weil ich mich auf Privatgelände befunden hatte. Aber das tat ich wahrscheinlich sowieso schon, also machte ich die zwei Schritte auch noch und machte noch eine Aufnahme. Damit war mir ein Platz im besten Fotoworkshop des Landes so gut wie sicher!

Leise drehte ich mich wieder um. Ich war noch immer allein, anscheinend war niemand zuhause um mich zu erwischen. Umso besser, dann konnte ich noch ein letztes Bild von der Rückseite des Hauses machen. Ich ging vorsichtig um das Haus herum und duckte mich unter dem Fenster - nur für den Fall, dass doch jemand da war. Hnter dem Haus landete ich in einem wunderschönen Garten. Dieser Wald verlangte mit seinen Motiven ganz schoen oft das Wort wunderschön. Wer auch immer mich hierher gebracht hatte - Danke! Noch nie habe ich so viele perfekte Motive an einem Tag vor der Linse gehabt.

Eigentlich sollte ich wieder gehen, aber dieser Garten... Mit einem schlechten Gewissen betrat ich den Kiesweg und folgte ihm unbehelligt. Anstatt zu einem Gartenhaus oder einem huebschen Rosenbogen (was beides tolle Motive sind), führte er mich zurück zu meinem Zimmer. Ich runzelte die Stirn, aber als ich mich umdrehte, war der Kiesweg verschwunden, inklusive des Gartens. Dann halt nicht. Ich ging wieder rein und legte meine Kamera wieder auf den Schreibtisch. Um die Bilder jetzt noch auf meinen Computer überzuspielen, war ich definitiv zu müde. Also legte ich mich nur ins Bett und schlief ein.

 

Ich wachte auf und lag angezogen im Bett. Anscheinend war ich eingeschlafen, bevor ich mich umziehen konnte. Egal. Ich sah aus dem Fenster: unser morgendlicher Garten, samt Teich und nervigem, quakendem Frosch, wahrscheinlich hatte der mich mal wieder geweckt. Die Bilder! Schnell stand ich auf und lief zum Schreibtisch. Meine Kamera lag dort - griffbereit - wie immer. Als ich mir die Bilder von dem mysteriösen Wald noch einmal ansehen wollte, waren sie weg. Nichts, kein einziges gespeichertes Bild von einem umgestürzten Baumstamm oder einem Zwergenhaus. Nichts.

Es war nur ein Traum gewesen. Eine einsame, wünschenswerte Reise ins Traumland. Schade aber auch.

Nach oben

Dies ist eine kostenlose Homepage erstellt mit hPage.com.