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Teil 4

 
 

Endlich hatte ich das Gefühl wirklich bei den Blades angekommen zu sein. Meine Wohnung wurde zu einem richtigen Zuhause, meine Bekannten zu richtigen Freunden. Ich verlor die Angst vor dem Zaubern und Robin ließ mich früher als gedacht richtige Kämpfe austragen. Seiner Meinung nach, lernte ich ungewöhnlich schnell. Ich war froh, dass ich wenigstens etwas auf die Reihe bekam.

Leider währte mein Glück nicht lange, denn schon bald erreichte uns eine weniger erfreuliche Nachricht.

 

Ich war gerade bei Cas, sein Vater hatte mich zum Essen eingeladen. Mittlerweile war es spät geworden und wir räumten gerade gemeinsam die Küche auf, als es an der Tür klingelte.

"Ich geh schon." Meinte Cas' Vater und verließ die Küche. Ich räumte den Teller weg, den ich noch in der Hand hatte, als ich spürte wie Cas hinter mich trat. Ich drehte mich zu ihm um.

"Ich hatte schon befürchtet, dass er uns gar nicht mehr aus den Augen lässt." Meinte Cas und grinste. Erst begriff ich nicht so ganz, was er damit meinte, aber als er seine Hand in meinen Nacken legte, begriff ich es.

"Wäre das so schlimm gewesen?" Flüsterte ich, nur Zentimeter von seinen Lippen entfernt.

"Ja, das wäre es." Ich konnte die Berührung von Cas' Lippen schon fast spüren, als plötzlich ein lautes Klirren aus dem Flur kam.

"Was war das denn?" Fragte ich irritiert.

"Keine Ahnung. Komm lass uns nachsehen." Und mit diesen Worten zog Cas mich mit sich aus der Küche. Im Flur stießen wir auf einen ziemlich verdutzten Blade, den ich zwar kannte, dessen Name mir aber gerade nicht einfiel, Cas' vor Wut schnaubenden Vater und eine kaputte Vase.

"Dad, was ist los?" Fragte Cas.

"Das kann doch wohl nicht wahr sein."

"Wir können uns doch gar nicht sicher sein. Vielleicht hat der Wylder das nur gesagt, damit wir ihn in Ruhe lassen." Wagte der andere Blade einzuwenden. Cas' Vater schnaubte.

"Würde mir bitte irgendwer erklären, um was es hier geht?" Bat Cas bestimmt. Endlich schien sein Vater uns wahrzunehmen. Als er uns ansah, beruhigte er sich ein wenig.

"Komm rein, Pascal. Du solltest die Geschichte noch einmal in Ruhe erzählen können." Er machte Pascal den Weg frei und die beiden gingen in Richtung Wohnzimmer.

"Ich komme gleich nach." Meinte ich.

"Bist du sicher?" Ich verdrehte die Augen. Immer musste Cas meine Entscheidungen in Frage stellen.

"Ja." Antwortete ich und er ließ meine Hand los und folgte den anderen beiden. Ich holte Besen und Kehrschaufel aus dem Schrank und räumte die Scherben weg. Manche Gewohnheiten würde ich wohl nie ablegen können. Erst dann ging ich ebenfalls ins Wohnzimmer.

"Wir hatten endlich ein paar junge Wylder entdeckt. - fast hätten wir aufgegeben, aber jetzt teilten wir uns auf und folgten ihnen. Alles war eigentlich wie immer, es war kein Problem einen einzufangen." Erzählte Pascal gerade. Ich zuckte leicht zusammen, als mir der Gedanke kam, dass er womöglich über alte Freunde von mir sprach. Aber ich schob ihn gleich wieder zur Seite, immerhin wusste ich, dass sie niemanden verletzt hatten. "Er hatte Angst, so wie sie immer Angst haben, aber dann hat er doch Mut gefasst und etwas gesagt. Erst dachte ich, dass er deshalb der perfekte Kandidat wäre, bis er plötzlich meinte: bald würden keine Blades mehr über Wylder her fallen. Bald wäre die Welt wieder ein friedlicherer Ort - wenn wir erst mal weg vom Fenster seien. Da stutzten wir. Natürlich haben wir nachgefragt, was er damit meint, aber viel konnte oder wollte er uns nicht sagen. Nur, dass die Regierung die Wylder zusammenruft - gegen uns. Es klang, als würden sie einen Angriff planen."

"Die Wylder möchten herkommen?" Fragte Cas.

"Anscheinend stachelt die Regierung sie dazu an, ja."

"Was ist mit dem Wylder geschehen?" Schaltete Cas' Vater sich ein.

"Wir haben ihn laufen lassen, als wir Polizeisirenen hörten. Wir wollten nicht von noch mehr Leuten gesehen werden."

"Gut, gut." Cas' Vater blickte nachdenklich aus dem Fenster.

"Meinst du die Wylder würden uns wirklich angreifen?" Fragte Cas. Ich war mittlerweile hinter ihn getreten und hatte meine Hand auf seine Schulter gelegt. Die selbe Frage hatte ich mir auch schon gestellt. Früher hätte ich gesagt, nein, auf gar keinen Fall. Die Wylder verabscheuen jede Art von Gewalt, aber mittlerweile war ich mir nicht mehr so sicher. Ich hatte so viel über die Regierung erfahren, dass ich es für möglich hielt, dass sie die Wylder so manipulierten, dass sie auf die Blades losgehen würden. Die Frage war nur warum. Nach allem, was ich wussten würde es sie doch selbst schwächen, wenn sie die Blades nicht mehr hätten.

"Ich weiß es nicht. Aber ich habe immer befürchtet, dass so etwas passieren könnte. Hat der Wylder gesagt, für wann dieser Angriff geplant ist?"

"Nein. Er hat ja nicht einmal klar gesagt, dass ein Angriff geplant ist." Cas' Vater seufzte. Wahrscheinlich wäre das zu schön gewesen.

"Danke, Pascal. Ich werde mir überlegen, ob wir irgendwelche Maßnahmen er greifen müssen."

"Gut. Ich hoffe wirklich, dass der Wylder gelogen hat. Aber irgendwie glaube ich nicht wirklich daran, Samuel. Trotzdem stirbt die Hoffnung zuletzt, nicht wahr?"

"Da hast du Recht." Wir verabschiedeten uns von Pascal. Und bald darauf beschloss auch ich zu gehen, schließlich brauchte Cas' Vater jetzt Raum zum Nachdenken. Cas bestand darauf, mich nach Hause zu bringen.

"Du weißt aber schon, dass mir hier nichts passieren kann, oder?" Zog ich ihn auf, nachdem wir das Haus verlassen hatten.

"Klar. Ich wollte nur noch etwas Zeit mit dir verbringen." Ich lachte und ließ zu, dass Cas den Arm um mich legte. Wie immer genoss ich das Prickeln, dass seine Berührung jedes Mal bei mir auslöste. Erst als wir vor meiner Wohnungstür standen, sprach Cas wieder.

"Hast du Angst?"

"Wegen dem möglichen Angriff?" Cas nickte und ich dachte einen Moment darüber nach. "Nein. Aber wir reden hier von meinen alten Freunden, von meiner Familie. Ich will nicht glauben, dass sie uns angreifen könnten."

"Aber du hältst es für möglich?"

"Nachdem was ich jetzt über die Regierung weiß: ja."

Cas seufzte. "Dann war das ja genau die Neuigkeit, die wir gebraucht hatten um uns den Tag zu vermiesen."

 

Samuel behielt die Nachricht nicht für sich. Er stellte Wachen an allen Grenzen auf und beschloss die Suche nach Wyldern, die die Seite wechseln könnten für eine Weile auszusetzen. Mir gefiel der Gedanke nicht, womöglich wirklich kämpfen zu müssen. Aber mir blieb nichts anderes übrig als mich damit auseinanderzusetzen.

Was würdet ihr tun, wenn ihr gezwungen wärt gegen alte Freunde zu kämpfen um eure neuen zu beschützen? Keine Ahnung? Dann geht es euch wie mir. Ich versuchte es vor mir zu rechtfertigen, falls ich kämpfen sollte und ich versuchte mir Argumente dafür zu suchen nicht zu kämpfen. Das Problem war nur, dass ich für beide Seiten genau gleich viele fand. Cas wusste, dass mich dieser Gedanke beschäftigte, aber wir sprachen nicht darüber. Ich hatte das Gefühl, dass ihm der Gedanke eines Kampfes fast genauso sehr zu schaffen machte wie mir.

Lange Zeit passierte nichts. Die Wachen patrouillierten, doch es waren keine Wylder in Sicht. Man könnte meinen, dass wieder Ruhe im Viertel einkehrte, doch die Spannung blieb. Jeder nahm sein Training irgendwie ernster, Witze wurden seltener. Und dann kam der Tag, an dem doch etwas passierte. Cas war eingeteilt für die Patrouille, ich kam gerade vom Training und wollte ihm eigentlich nur einen kurzen Besuch abstatten, aber daraus wurde nichts.

 

"Kommst du heute noch vorbei?" Fragte ich gerade.

"Wenn du möchtest." Cas lächelte. Wir standen im Park hinter der Mauer. Als Cas mich hatte kommen sehen, hatte er seinen Spähposten auf einem der Bäume verlassen und war zu mir heruntergekommen. Ich wusste, dass ich ihn nicht lange fernhalten durfte.

"Immer." Cas küsste mich. In diesem Moment war noch alles gut - aber es sollte der letzte für sehr, sehr lange Zeit bleiben.

"Cas!" Rief Tammy vom Baum herunter. Tammy war seit 6 Jahren Robins Freundin und es gingen Gerüchte herum, dass die Beiden vorhatten zu heiraten.

Cas löste sich von mir und blickte nach oben. "Das musst du dir ansehen." Irgendwie klang sie aufgeschreckt. Als würde sie etwas sehen, dass sie beunruhigte. Cas machte sich auf den Weg zu ihr und anstatt nach Hause zu gehen, gab ich meiner Neugier nach und folgte ihm.

"Was ist?"

"Ich habe einen Schutzzauber bemerkt, aber es ist keiner der unseren. Wenn ich könnte, würde ich selbst hindurchsehen, aber..." Sie zuckte die Schultern. Tammy ging es ganz ähnlich wie mir - im Zaubern war sie nicht ganz so gut. Also versuchte Cas den Zauber zu durchbrechen, was ihm gelang. Ich konnte es an seinem Gesicht erkennen: plötzlich sah er nicht mehr gelangweilt sondern geschockt aus. Ohne zu fragen erweiterte er die Sicht durch den Zauber auf Tammy und mich. Für einen Moment war ich verwirrt.

Ich erkannte den Zauber als ein Mittel um etwas zu verbergen. Ich sah die Wylder, hunderte Wylder, die auf uns zu marschierten, aber ich begriff es nicht sofort. Erst dann wurde es mir klar.

"Der Angriff." Flüsterte ich tonlos.

"Los, wir müssen Alarm schlagen." Ich war schon auf dem Weg nach unten, als Tammy das sagte. Jetzt war es doch so weit: würde ich kämpfen?

Ich rannte so schnell wie ich konnte durch die Straßen und läutete die Warnglocken. Obwohl mir schon alles weh tat, hatte ich das Gefühl noch nicht schnell genug zu sein. Endlich erreichte ich das Hauptquartier und platzte in die Versammlung hinein. Ich erkannte Robin, Pascal, Nina, Samuel und noch ein paar andere. Alle sahen mich an. Ich versuchte ruhiger zu atmen um die Worte herauszubringen.

"Die Wylder. Sie kommen." Für eine Sekunde herrschte absolute Stille. Dann sprangen alle auf und rannten an mir vorbei. Ich gestatte es mir, noch für eine weitere Sekunde Atem zu schöpfen, bevor ich ihnen folgte. Mittlerweile hatten sich auf den Straßen einige Blades versammelt, alle bewaffnet, alle in Alarmbereitschaft. Wir rannten gemeinsam zur Mauer. Als ich dort ankam, waren einige bereits die Bäume hochgeklettert um einen besseren Überblick zu bekommen. Ich versuchte Cas zu finden, aber im allgemeinen Chaos, konnte ich fast niemanden erkennen. Ich spürte es, als einige versuchten einen Schutzzauber über die Mauer zu legen, aber es war schon zu spät.

"Achtung!" Riefen manche von den Bäumen hinunter, doch auch das rettete uns nicht mehr. Die Mauer explodierte. Ich duckte mich so schnell wie möglich weg und spürte den Luftzug, als ein Stück Mauer nur Zentimeter von meinem Kopf entfernt vorbeiflog. Als ich mich aufrichtete, sah ich, dass einige liegen blieben. Bei manchen von ihnen erkannte ich blutende Kopfwunden. Ich hatte nicht die Zeit um zu hoffen, dass es meinen Freunden gut ging. Die Wylder stürmten auf uns los.

Damals fragte ich mich, warum sie nicht nur Magie verwendeten. Mittlerweile war mir eingefallen, dass die Wylder ja glaubten, dass Magie nicht töten könnte. Womöglich hielt ich es aber zu diesem Zeitpunkt auch einfach noch nicht für möglich, dass die Regierung befohlen hatte, die Blades tatsächlich umzubringen.

Der Kampf teilte sich in kleine Gruppen- oder Duellkämpfe auf. Mir blieb gar keine andere Wahl, als zu kämpfen. Die Wylder waren ebenfalls mit Klingen bewaffnet und auch, wenn sie nicht so viel Übung hatten wie die Blades, waren sie doch in der Überzahl. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, wie einige Blades fielen. Doch auch den Wyldern ging es nicht besser.

Viele Blades waren wütend und achteten nicht darauf, ob sie töteten oder verletzten. Andere kämpften tatsächlich um ihr Leben. Ich gab mir die größte Mühe, niemanden tödlich zu verletzen - bis jetzt hatte ich Glück gehabt und war nur von Einzelnen angegriffen worden, aber ich spürte, wie meine Kräfte schwanden. Das Training steckte mir noch in den Knochen und es fiel mir schwer die nötige Konzentration für Zauber aufzubringen.

Gerade wehrte ich eine Klinge ab und sandte gleichzeitig einen elektrischen Impuls durch das Metall. Ich wusste nicht genau, wie stark er war, aber mein Gegner ging zu Boden. Ich roch verbranntes Fleisch. Ich wollte gerade nachsehen, ob der Wylder noch lebte, als ich jemanden meinen Namen rufen hörte. Ich dachte zuerst, es sei Nina gewesen, aber als ich aufblickte, sah ich sie dort stehen. Nur wenige Meter vor mir, mitten im Getümmel und doch unbehelligt stand Leyla. Ich sah sie an, sie sah mich an. Beinahe wäre meine Klinge mir aus der Hand gerutscht.

"Leyla." Flüsterte ich. Entgegen aller Vernunft rannte sie auf mich zu. Ich breitete die Arme aus und sie flog in meine Umarmung hinein. Ich war zu perplex um zu realisieren, was hier gerade passierte.

"Was machst du hier? Ich... Ich dachte du seist tot. Deine Eltern... Sie haben wochenlang nur schwarz getragen, deine Mutter spricht bis heute kaum ein Wort. Wo bist du gewesen?" Das schlechte Gewissen durchfuhr mich wie ein Blitz. Ich hätte nie gedacht, dass meine Eltern so betroffen sein würden.ich sah Leyla an, sie sah mich an. Erst jetzt schien sie die Klinge in meiner Hand wahrzunehmen. "Was... Wie..." Stammelte sie.

"Leyla, bitte, hör mir zu." Endlich hatte ich meine Stimme wiedergefunden. "Du darfst mich nicht verurteilen. Du darfst die Blades nicht verurteilen. Das ist alles nicht so wie du denkst. Sie... Sie sind gar nicht die Bösen, dass erzählt euch die Regierung nur. Man wird auch nicht in seine Klasse hineingeboren, sondern kann eigentlich frei wählen. Verstehst du mich? Stell dir die Möglichkeiten vor!" Im Nachhinein wurde mir klar, dass das ein wenig zu viel Information auf einmal gewesen war.

"Du... Du bist jetzt eine von ihnen." Leyla stiegen die Tränen in die Augen. "Wie kannst du nur?" Schrie sie mich an.

"Bitte, Leyla. Ich bin doch immer noch ich." Versuchte ich sie zu beruhigen. Sie schüttelte den Kopf, ich konnte sehen, dass das alles zu viel für sie war.

"Wie?" Flüsterte sie nur.

"Ich habe es gewählt." Antwortete ich. Ich glaube, dass sie in diesem Moment etwas mehr verstand, dass wir uns jetzt normal hätten unterhalten können. Aber wir bekamen diese Chance nicht, denn in diesem Moment hörte ich einen Schrei. Eigentlich waren es zwei Stimmen die schrien, doch es war so schmerzerfüllt, dass es eine hätte sein können. Ich wandte mich um. Es waren Tammy und Cas die geschrien hatten. Ich sah gerade noch wie Robin zu Boden ging, blutüberströmt. Tammy fiel neben ihn, Cas hingegen wandte sich dem Schuldigen zu. Obwohl er mehrere dutzend Meter von mir entfernt war, erkannte ich die Wut in seinen Bewegungen. Diesem Wylder gegenüber würde er keine Gnade ergehen lassen. Er würde Robin rächen. Nur durfte ich das nicht zulassen.

"Es tut mir Leid, Leyla." Sagte ich. "Lauf so schnell du kannst. Weg von hier." Mehr brachte ich nicht zustande, bevor ich mich umwandte und auf Cas zu lief. Ich ließ ihn nicht aus den Augen, beobachtete genau, wie er die Klinge führte. Die des Wylders verschwand, er fiel in den Dreck. Cas erhob die Klinge um ihn zu töten, doch ich warf mich dazwischen.

"Nein!" Schrie ich. Cas hielt inne. Für viele hätte es so ausgesehen, als ob es zu spät gewesen wäre, doch ich kannte Cas. Ich wusste wie schnell er reagieren konnte und dass er mich niemals verletzen würde.

"Luna. Geh zur Seite. Er hat Robin getötet." Ich sah die Wut jetzt auch in Cas' Augen und hörte den Schmerz in seiner Stimme.

"Ich weiß." Antwortete ich nur. Ich hatte die Hände erhoben, meine Klinge hatte ich irgendwo verloren.

"Dann geh zur Seite." Meinte Cas noch einmal, doch ich schüttelte den Kopf. "Er war wie ein Bruder für mich." Ich dachte schon, Cas würde die Klinge fallen lassen, als seine Stimme brach, doch er tat es nicht. "Geh zur Seite!" Schrie er.

"Nein, ich kann nicht." Antwortete ich. "Das ist mein Bruder." Cas verstand nicht sofort. Natürlich nicht, er wusste ja nicht einmal, dass ich einen Bruder hatte. Aber dann ließ er die Klinge ein Stück sinken. Ich berührte ihn am Arm. "Bitte."

"Er hat ihn getötet." Flüsterte Cas, die Wut verschwand langsam.

"Ich weiß. Ich weiß. Ich kann das nicht ungeschehen machen, aber bitte. Nimm mir meinen Bruder nicht auch." Cas sah mich endlich richtig an. Ich konnte sehen, dass etwas in ihm zerbrochen war. Aber er verstand mich.

"Dein Bruder." Ich nickte und endlich ließ er die Klinge ganz sinken.

"Geh. Nimm Tammy und verschwindet. Wir können diesen Kampf nicht gewinnen." Sagte ich. Cas sah sich um und erkannte, dass ich recht hatte. Niemand würde diesen Kampf gewinnen, denn beide Seiten waren fest entschlossen bis zum Tod zu kämpfen. Es würde kaum jemand überleben.

"Was ist mit dir?"

"Ich komme gleich nach, versprochen." Cas schien zu verstehen, er nickte und wandte sich um. Erst nachdem er Tammy von Robin weggezogen hatte, sah ich meinen Bruder an. Ich streckte ihm die Hand entgegen um ihm aufzuhelfen.

"Luna. Was..." Begann er.

"Hi, Ethan." Unterbrach ich ihn. Ich wusste, dass ich eigentlich überhaupt keine Zeit hatte, mich zu unterhalten. Mittlerweile hatte auch andere Blades begriffen, dass es keinen Sinn machte zu kämpfen, Samuel versuchte alle zum Rückzug zu bewegen. Wenn ich mich nicht beeilte, wäre ich bald die letzte auf dem Schlachtfeld und das sollte ich wirklich vermeiden.

"Wie kommst du hier her?" Mein Bruder sah mich immer noch geschockt an, seine Augen wurden noch größer, als er bemerkte, dass ich Hosen trug.

"Ich bin jetzt eine Blade, Ethan. Ich habe selbst entschieden. Das können wir, verstehst du das? Die Regierung belügt uns. Sie versucht uns zu manipulieren, sodass wir genau das tun was sie wollen. Du musst..." Wieder gelang es mir nicht, dass ganze weniger chaotisch darzulegen.

"Eine Blade?" Ich nickte vorsichtig. "Wie ist das möglich?"

"Alles ist möglich. Du musst es nur versuchen. Wir..." Ich spürte, dass etwas nicht stimmte und bemerkte die Gruppe Wylder, die auf uns zukam gerade noch rechtzeitig. Man hatte mich bemerkt und jetzt ging man anscheinend davon aus, dass ich Ethan bedrohte.

"Runter!" Rief ich, ließ mich fallen und zog meinen Bruder mit. Der Zauber hatte zwar mir gegolten, aber er war stärker geworden, als die Wylder gedacht hatten und hätte Ethan mindestens so sehr verletzt wie mich. Jetzt zog er zischend über unseren Köpfen hinweg und knallte in einen Baum.

"Ich muss gehen." Sagte ich. "Du hast mir gefehlt." Ich umarmte meinen Bruder, löste mich aber von ihm, bevor er die Umarmung erwidern könnte. Dann ließ ich ihn los. "Lauf." Rief ich ihm noch zu, bevor ich mich umdrehte und rannte. Ich konnte nur hoffen, dass mein Bruder das selbe getan hatte, als der Baum, in den der Zauber eingeschlagen hatte, krachend zu Boden fiel, genau an der Stelle, an der wir eben noch gestanden hatten.

 

An diesem Tag starben fünfzig Blades und mindestens eben so viele Wylder. Wir waren alle paralysiert, wie gelähmt, aber wir wussten, dass so etwas nicht noch einmal geschehen durfte.

Wir verließen die Stadt und bauten uns ein Lager in einem Wald. Jeder nahm sich die Zeit um um seine Verstorbenen zu trauern, bevor wir begannen uns neu zu organisieren.

Cas und ich bezogen eine kleine Hütte, die wir uns gebaut hatten, aber er war fast nie dort. Selbst nachts war er immer unterwegs, er schlief wenig und aß kaum. Ich machte mir große Sorgen um ihn, aber ich wusste nicht, wie ich helfen könnte. Es schien fast, als würde er Robins Tod noch schlechter verkraften als Tammy. Ich versuchte an ihn ranzukommen, ihn zum reden zu bringen, aber er wies mich ab. Es brach mir das Herz, ihn so zu sehen.

Wenn ihr so etwas noch nie erlebt habt, dann könnt ihr es nicht begreifen. Die Blades, die ihre Trauer überwunden hatten, waren wütend. Der einzige Grund, der sie davon abhielt auf die Wylder loszugehen, war Samuel. Er versuchte sie zu beruhigen, sie zur Vernunft zu bringen, aber die Vernunft war mit ihren Freunden gestorben. Alles was er schaffte, war sie im Camp zu halten.

Ich hoffte immer noch, dass das alles hier nur ein Alptraum war, dass ich gleich aufwachen würde, neben Cas und dass er mich dann damit aufziehen würde, dass ich eine viel zu große Fantasie hätte. Er würde mich kitzeln oder küssen und mir versprechen, dass er immer für mich da sein würde. Aber umso mehr Cas sich von mir zurückzog, umso mehr schwand mir diese Hoffnung.

 

 

 

 

 

 

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