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Teil 1

 

 

 

Ich sah auf die Uhr - natürlich hatte mich meine Mutter wieder viel zu früh geweckt. Eigentlich wollte ich mich gerade noch mal umdrehen und weiterschlafen, als ich es mir anders überlegte und doch aufstand. Dann könnte ich wenigstens in Ruhe frühstücken.

Ich schnappte mir mein Kleid von der Stuhllehne und rannte ins Bad. Erst als ich dort war fiel mir auf, dass ich ja seit zwei Wochen keinen Grund mehr hatte zu rennen. Mein großer Bruder hatte geheiratet und war ausgezogen, außer mir gab es jetzt niemanden mehr, der das Badezimmer morgens okkupieren könnte. Ich lächelte während ich mich fertig machte, weil ich daran denken musste wie glücklich er ausgesehen hatte. Aber mein Lächeln gefror, als mir wieder einfiel, dass ich ihn jetzt nur noch ein paar Mal im Jahr sehen durfte. Außer natürlich, ich nahm im Sommer die selbe Arbeit an wie er. Und genau das war der Plan.

"Luna! Du bist schon wieder viel zu lange im Badezimmer. Komm runter frühstücken!" Rief meine Mutter von unten herauf. Ich verdrehte die Augen, wusste aber, dass sie Recht hatte. Ich machte noch einen kurzen Abstecher in mein Zimmer, um mir meine Schürze zu holen und band sie mir auf dem Weg in die Küche um.

"Guten Morgen, mein Schatz." Grüßte sie mich.

"Guten Morgen. Wie lange ist Papa schon weg?" Fragte ich zurück, als ich mich setzte.

"Er ist gegangen, als ich dich geweckt habe. Setze dich, ich habe dir Pfannkuchen gebacken." Meine Mutter gab mir den Teller und setzte sich dann mir gegenüber. Sie wartete schweigend, während ich aß. Ich konnte sehen, dass sie mir noch etwas sagen wollte, aber ich fragte nicht danach. Erst als ich fertig gegessen hatte und mir meine Tasche nahm, rückte sie damit heraus.

"Bitte sei heute vorsichtig, Luna. Es sind Blades im Viertel gesehen worden." Ich schluckte.

"Schon wieder?"

"Ja. Ich möchte nicht, dass du alleine unterwegs bist. Schließe dich bitte einer der Gruppen an." Ich sah aus dem Fenster. Vorhin schon hatte ich mich gefragt, warum so wenige Menschen allein unterwegs waren. Gerade bog eine Gruppe von Schülern in unsere Straße ein, unter denen auch meine beste Freundin Leyla war.

"Mach ich, Mum. Leyla kommt grade. Macht's dir was aus, wenn ich jetzt schon...?"

Meine Mutter lachte. "Geh nur. Aber sei vorsichtig."

"Klar. Bis heute Mittag." Zum Abschied gab ich meiner Mutter einen Kuss auf die Wange. Dann verließ ich das Haus.

 

Hallo, mein Name ist Luna Pettyfer und eigentlich möchte ich euch von dem Sommer erzählen, der mein ganzes Leben umkrempelte, aber eins nach dem anderen.

Ich bin noch Schülerin, mache aber zu dem gerade geschilderten Zeitpunkt meinen Abschluss. Noch lebe ich bei meine Eltern, aber das wird sich wohl bald ändern, denn das Datum für meine Hochzeit steht schon. Ich werde einen Jungen aus der Gegend heiraten, Josh Michaelsen. Wir kennen uns flüchtig, er ging bis letztes Jahr auf die selbe Schule wie ich. Unsere Eltern haben schon als wir klein waren festgelegt, dass wir einander heiraten würden und die Regierung hatte es vor kurzem endlich genehmigt. Ich freute mich auf mein neues Leben nach der Hochzeit, denn ich war mir sicher, dass ich mit Josh genauso glücklich werden würde wie meine Mutter mit meinem Vater.

Wir sind Wylder, Gläubige des Lichts. Es ist unsere Pflicht und unser Vergnügen den Regeln zu folgen. Auch unsere Regierung besteht aus Wyldern, sie sorgen dafür, dass unsere Welt nicht aus den Fugen gerät. Wisst ihr, zwei Generationen vor mir gab es einen großen Krieg und nur dank dem Zusammenhalt der Wylder konnte die Welt am Laufen gehalten werden. Jeder Wylder beherrscht ein klein wenig weiße Magie und alle zusammen hat gereicht um die Welt wieder aufzuräumen.

Ich bin froh eine Wylder zu sein. Es ist die anständigste Klasse, finde ich. Außer den Wyldern gibt es noch die Freien, die keinerlei Magie besitzen und weder dem Licht, noch der Finsternis huldigen. Sie leben meist außerhalb der Städte, produzieren unser Essen und unsere Kleidung. Natürlich sind sie wichtig für unsere Gesellschaft, aber ich habe bis heute nicht begriffen, wie man an nichts glauben kann.

Und dann gibt es natürlich noch die Blades, Anhänger der Finsternis. Mit ihrer dunklen Magie können sie großen Schaden anrichten, deswegen ist es gut, dass es viel mehr Wylder gibt als Blades. Auch die Blades leben in der Stadt, aber in einem ganz anderen Viertel als wir Wylder. Ich bin nie dort gewesen und ich möchte auch nie dorthin.

Ich lebe gerne hier. Ich mag den geordneten Tagesablauf, die Sicherheit. Na gut, manchmal langweile ich mich zu Tode, aber hey - bis jetzt habe ich es immer überlebt. Ich hatte Glück als Wylder geboren zu werden.

So, jetzt kennt ihr mich und die Welt in der ich lebe ein wenig besser. Ihr wisst jetzt, woran ich geglaubt habe. Jetzt werde ich euch erzählen, wie sich das alles in nur einem Sommer geändert hat.

 

Meinen Abschluss hatte ich mittlerweile bestanden, meine Bewerbung auf eine Stelle bei der selben Firma, bei der auch mein Bruder arbeitete, war auch schon abgeschickt. Ich war gerade mit Leyla in der Stadt gewesen und wir waren jetzt gemeinsam auf dem Weg nach Hause.

"Gott, ich bin so froh, dass wir die Schule endlich hinter uns gelassen haben." Sagte sie gerade zum hundertsten Mal.

"Ich auch. Freust du dich auf deine Hochzeit?" Ley würde schon nächste Woche heiraten - und zwar ihren besten Freund. Manchmal beneidete ich sie darum, dass sie ihren Bräutigam schon so gut kannte.

"Und wie. Das Haus, dass Brams Familie gebaut hat ist so schön, ich bin sicher es wird mir dort gefallen. Du kommst doch zu meiner Hochzeit, oder?"

"Ley, ich bin deine Brautjungfer - natürlich komme ich zu deiner Hochzeit." Ich schüttelte lachend den Kopf. Leyla war wie immer total aufgedreht und redete ohne vorher darüber nachzudenken.

"Ich wollte ja nur noch mal nachfragen. Ich bin so aufgeregt!" Quiekte sie. Lachend umarmte ich sie schnell.

"Du bist so was von verrückt."

"Deswegen liebst du mich ja auch."

"Stimmt." Lachend gingen wir weiter. Dieses Gespräch hatten wir nicht zum ersten Mal geführt, es fühlte sich fast einstudiert an.

"Nehmen wir die Abkürzung durchs Industriegebiet?" Fragte ich.

"Warum nicht. Dann sind sogar rechtzeitig zum Essen zu Hause. Bei uns gibt es heute Gemüse-Auflauf, und bei euch?" Ley und ich bogen in den kleinen Weg ein, der direkt im Industriegebiet mündete. Wir wohnten beide in dem Viertel auf der anderen Seite davon. Normalerweise nahmen wir die Straßenbahn, aber heute wollten wir noch eine Weile reden und hatten uns deshalb entschlossen zu Fuß zu gehen. Keine gute Entscheidung, wie sich bald herausstellen sollte.

Wir gingen eine ganze Weile weiter, redeten über dies und das, nichts wichtiges. Bis Ley plötzlich meinte: "Du, ich glaube wir werden beobachtet."

"Beobachtet?"

"Ja. Ich hab da so ein Gefühl."

Ich ließ meinen Blick über die leere Straße wandern. "Aber hier ist gar niemand. Die Aufregung macht dich paranoid." Leyla lachte, und wir wechselten wieder zu anderen Themen, aber wir waren jetzt vorsichtiger, aufmerksamer. Ansonsten hätten wir das dumpfe Geräusch hinter uns auch gar nicht gehört.

"Was war das?" Wir drehten uns gleichzeitig um. In nur einer Sekunde erkannten wir, was vor sich ging. Über das Dach des Hauses, das wir gerade passierten hatten, rannten Menschen. Einer davon war gerade vom Dach gesprungen und kam jetzt auf uns zu.

"Blades! Lauf!" Schrie Ley und wir drehten uns um und rannten um unser Leben. Trotzdem konnte ich hören, wie unser Verfolger uns immer näher kam. Dann sprang plötzlich noch einer von dem Dach von dem Haus vor uns - mindestens fünf Meter tief. Er landete leicht auf seinen Füßen und grinste uns an. Zum Glück waren wir gerade an einer Kreuzung, naja, oder eben auch nicht zum Glück.

"Nach links!" Schrie ich.

"Nach rechts!" Schrie Leyla gleichzeitig und dann bogen wir in entgegengesetzte Richtungen ab. Ich hätte geflucht, wenn ich noch genug Atem gehabt hätte. Meine Lunge brannte, mein Herz pochte wie verrückt und ich machte mir Sorgen um Leyla - bis ich plötzlich in einer Sackgasse stand.

Jetzt konnte ich fluchen. Hätte ich besser aufgepasst, wo ich hingerannt bin anstatt über meine Schulter zu sehen, weil ich mich fragte ob ich noch Verfolger hatte, wäre mir das nicht passiert. Zu meinem Leidwesen hatte ich noch einen Verfolger und es war zu spät um umzudrehen. Er hatte die Kreuzung bereits erreicht. Als er erkannte, dass ich nicht mehr weg konnte, verringerte er sein Tempo und lächelte breit. Ich erkannte, dass es der war, der zuerst vom Dach gesprungen war. Im Gegensatz zu mir atmete er ganz ruhig, als hätte es ihn keinerlei Mühe gekostet zu rennen.

Ich raffte alle meinen Mut zusammen und versuchte nicht an die Geschichten von verschwundenen und ermordeten Wyldern zu denken, die alle wahr und den Blades zu verdanken waren. Wie ihr seht, gelang es mir nicht sonderlich gut.

"Bleib weg von mir." Sagte ich. Meine Stimme war überraschend fest. "Ich beherrsche Magie." Ich konzentrierte mich und brachte meine Hand zum Leuchten. Es war nur ein Lichtzauber und er konnte niemanden verletzen, aber ich hoffte, dass es beeindruckend aussah. Das Zittern meiner Finger ließ das aber nicht zu.

"Ist es dir zu dunkel, dass du Licht brauchst?" Fragte mich der Blade grinsend. Ich hatte ihn wohl nicht im mindesten beeindruckt, denn er kam immer noch auf mich zu. "Dann nimm doch das hier." Er hob seine Hand und sie ging in leuchtende Flammen auf. Erschrocken schrie ich auf, meine Konzentration ging flöten und mein Zauber auch. Diese Art von Magie hatte ich noch nie gesehen.

Der Blade lachte. "Beeindruckend für eine kleine Wylder, ich weiß. Und dabei ist das noch gar nichts." Mittlerweile war ich bis zur Wand in meinem Rücken zurückgewichen. Trotzdem begriff ich zu spät, was er vorhatte, als er die Flammen an seiner Hand löschte und sie dann in einer Wurfbewegung auf mich richtete. Schon war ich mit einem Netz an den grauen Putz genagelt.

Der Blade blieb erst direkt vor mir stehen. Ich registrierte jetzt, dass er jung war, maximal zwei Jahre älter als ich. Er trug einen Ohrring im linken Ohr und eine Kette mit einem Ring daran. Seine dunkelbraunen Augen fixiert mich. Dann legte er überlegend den Kopf schief.

"Was mache ich denn jetzt mit dir?" Ich betete einfach nur, dass es Ley gut ging. "Ich weiß was. Wie heißt du?"

"Was geht dich das an?" Fauchte ich ihn an. Ich war selbst überrascht, dass ich dafür noch genug Mut übrig hatte.

"Na hoppla. So spricht eine Wylder aber eigentlich nicht." Er lachte über einen Witz, den nur er verstanden hatte. "Nein im Ernst, wie heißt du?"

"Luna." Ich bereute sofort, dass ich ihm geantwortet hatte.

"So wie der Mond? Ein hübscher Name, wirklich. Ich bin Cas, das ist die Abkürzung für Casper. Das war der Name meines Großvaters, nach ihm wurde ich benannt." Er lächelte mich an. "Weißt du, warum wir Blades Blades genannt werden?"

"Weil ihr immer Klingen bei euch tragt mit denen ihr Unschuldigen die Brust durchbohren könnt." Wow, das klang wirklich fies. Um ehrlich zu sein, war ich ein wenig beeindruckt von mir.

Er lächelte und zog den Degen aus seinem Gürtel. Das scharfe Metall blitzte hell in den letzten Sonnenstrahlen auf. "Meinst du diese hier? Ja, wir tragen immer einen Degen bei uns, aber deine Antwort war trotzdem falsch. Als die Menschheit zum ersten Mal in die heutigen drei Klassen aufgeteilt wurde, nannte man die Blades Blades, wegen ihres scharfen Verstandes und ihrer Fähigkeit sich schnell zu bewegen." Er sah auf seine Klinge, und dann wieder auf mich. "Wer erzählt euch diese Geschichten, dass wir Wylder umbringen würden?"

"Wir lernen es von unseren Eltern. Wir lesen es in der Zeitung. Wir wissen -"

"Ihr wisst gar nichts." Unterbach Cas mich. Dann holte er mit seinem Degen aus und ich schloss die Augen, denn ich wusste, dass ich jetzt sterben würde. Doch anstatt eines Stichs, spürte ich, wie der Widerstand des Netzes plötzlich nachgab und ich nach vorne fiel. Ich öffnete die Augen und wollte gerade schreien, als Cas mich auch schon aufgefangen hatte. Mein einziger Gedanke war "Lauf!", als er mir plötzlich so nah war. Aber es war mir unmöglich. Stattdessen musste ich mich an ihm festhalten, bis ich einen sicheren Stand hatte und ich verwünschte die ganze Welt dafür. Als ich endlich von ihm loskommen wollte, hielt er mich immer noch fest. Ich wehrte mich, versuchte mich loszureißen, bis ich seine Klinge in meinem Rücken spürte. Wenn er mich töten wollte, warum hatte er es dann nicht sofort getan?

"Ich möchte dir nicht weh tun, also hör auf dich zu wehren." Fauchte Cas. Seine Worte verwirrten mich nur noch mehr - ich meine: häh? Trotzdem hielt ich jetzt ganz still, wollte nicht riskieren, dass er mich aus Versehen aufschlitzte. Sobald er merkte, dass ich nicht mehr versuchte ihn zu treten oder zu beißen, zog er mich näher zu sich heran. Unsere Oberkörper berührten sich wieder, ich musste den Kopf heben, damit ich nicht an seiner Schulter erstickte. Ich spürte wie er den Kopf ein wenig herunter senkte, spürte plötzlich seinen Atem an meinem Ohr. Hatte er mich deshalb nicht getötet, weil er noch mehr von mir wollte als meinen Tod? Wollte er mich mit Gewalt zwingen... Eine Träne lief mir über die Wange, ich versuchte mich zu wappnen, aber es ging nicht. Stattdessen fing ich wieder an zu zittern.

"Bitte nicht..." Flüsterte ich so leise, dass ich es selbst kaum hörte.

"Warum hast du eine solche Angst vor mir?" Fragte Cas in mein Ohr hinein. Dieses Mal gab ich keine Antwort. Mein Kampfgeist hatte mich verlassen, mir blieb nichts anderes mehr übrig als mich zu fügen. "Ich werde dir nichts tun." Er wartete wieder, vermutlich auf eine Antwort, aber ich sagte nichts. "Du bist anders als die meisten Wylder. Wenn du das auch weißt, wenn du dich manchmal langweilst oder vor dem Spiegel stehst und dich fragst wie du ohne Schürze und mit offenem Haar aussehen würdest... Dann komm heute Nacht zur Chamberlyroad Ecke Novemberallee. Du wirst dort einiges über dich erfahren, was du nie gedacht hättest. Aber glaub mir, du bist bereit dafür." Ich wartete darauf, dass irgendetwas geschah, dass er mich doch noch erstechen würde, aber nichts.

Keine Ahnung wie lange er mich fest hielt, bis er wieder etwas tat. Während er mich immer noch mit einem Arm umklammerte, steckte er vorsichtig mit dem anderen seinen Degen wieder an den Gürtel. Ich spürte das kalte Metall durch mein Kleid hindurch, als es mich leicht streifte, aber ich blieb unverletzt, nicht einmal der Stoff nahm Schaden. Dann hob Cas die jetzt freie Hand an meinen Kopf, strich mir vorsichtig durchs Haar. "Bitte komm." Flüsterte er mir zu, bevor er in einer einzigen Bewegung meine Haarklammer löste, mich losließ und sich umdrehte. Ich schwankte leicht, blieb aber stehen und blickte ihm hinterher, als er davonrannte. Der Wind blies mir meine Haare ins Gesicht. Cas hatte meine Klammer behalten.

 

So, und das war der Anfang vom Ende von meinem Leben, so wie ich es kannte. Irgendwann war mir dann aufgegangen, dass ich mich auf dem Weg nach Hause machen sollte, es wurde schon dunkel. Auch Ley fiel mir wieder ein und ich begann zu rennen. Als ich das Industriegebiet verließ, sah ich sie sofort. Sie wartete an einen Baum gelehnt auf mich.

 

"Luna! Du lebst. Gott, ich bin so froh dich zu sehen. Ich hab gedacht..." Sie fiel mir stürmisch um den Hals. "Ist alles in Ordnung?"

"Ja, ja mir geht's gut." Ich konnte es selbst kaum fassen, dass Cas mir nichts getan hatte. "Bist du ihnen entwischt?"

"Ja, ziemlich schnell sogar, nachdem wir uns getrennt hatten. Ich bin dann hierher gerannt, weil ich dachte du bist vielleicht schon da, aber das warst du nicht, also hab ich gewartet und gewartet. Ich hatte solche Angst um dich."

"Mir ist nichts passiert. Sie... Sie haben mich nicht gekriegt, aber ich habe mich verlaufen und musste erst mal den Weg zurück finden." Log ich. Warum ich log, wusste ich selbst nicht so genau, aber ich konnte ihr einfach nicht von der Begegnung mit Cas erzählen - ich verstand sie ja selbst noch nicht.

"Und deine Haarspange?" Ich fasste mir ins Haar. Eigentlich trugen Wylder ihre Haare immer zusammengebunden. Das gehörte sich einfach so.

"Ich muss sie irgendwo verloren haben."

"Warte, hier. Ich habe immer eine zweite dabei." Sie reichte mir ihre und ich band mir die Haare wieder zusammen. Das alles fühlte sich noch an wie ein Traum.

"Du Ley, ich glaube wir sollten unseren Eltern nichts davon erzählen."

"Warum nicht? Sie müssen doch wissen, dass schon wieder Blades im Viertel unterwegs sind."

"Aber dann lassen sie uns wahrscheinlich nie wieder allein in die Stadt gehen. Am Ende verschieben sie womöglich deine Hochzeit."

"Das würden sie doch nicht machen, oder?" Fragte Ley mich zweifelnd. Ich sah sie an und wusste nicht, ob ich das richtige tat, als ich mit den Schultern zuckte.

"Sie hätten große Angst um uns."

Leyla überlegte eine Weile, dann nickte sie zögernd. "Okay, wir schweigen." Dann machten wir uns auf den restlichen Weg nach Hause.

 

Tja, als ich an dem Abend dann im Bett lag, wurde mir klar, dass ich eine Menge Regeln gebrochen hatte. Und außerdem gingen mir Cas' Worte nicht mehr aus dem Kopf. Also wartete ich bis meine Eltern schliefen und verließ dann leise das Haus.

Es war komisch, wie leicht ich die Ecke fand, zu der ich gehen sollte. Ich war bis jetzt nur ein paar Mal daran vorbeigefahren, aber natürlich wusste ich, wo sie lag: es war die letzte Ecke vor dem großen Park, der das Viertel der Wylder vom Viertel der Blades trennte. Die einzige Stelle, an der sich diese beiden Stadtteile berührten.

Die ganze Zeit, suchte ich in meinem Kopf nach Gründen, um wieder umdrehen zu können und sobald ich einen fand, fand ich auch einen, der mich weiter trieb. Ob ich mich manchmal langweilte? Natürlich. Ob ich gerne mal ohne Schürze aus dem Haus gehen würde? Ja, sehr sogar. Ob ich gerne wüsste, wie sich der Wind in meinem Haar anfühlen würde? Manchmal träumte ich sogar davon am Meer zu stehen und den Wind zu spüren, der meine Haare nach hinten weht. Diese Gedanken waren es, die nicht zuließen, dass ich wieder nach Hause ging. Ich musste einfach wissen, was Cas gemeint hatte.

 

Als ich an der Ecke ankam, kam ich mir lächerlich vor. Es war totenstill, keine Menschenseele war zu sehen. Ich seufzte, konnte nicht verhindern, dass ich enttäuscht war. Ich hatte auf Antworten gehofft. Gerade als ich mich wieder umdrehte, hörte ich die Schritte. Schnell wie der Blitz wirbelte ich herum und sah die dunkle Gestalt auf mich zukommen. Unschlüssig, ob ich davonlaufen oder einfach abwarten sollte, machte ich erst einmal nur einen Schritt zurück. Als ich erkannte, dass es ein Blade war, schalteten meine Reflexe schneller als ich - ich rannte. Doch schon nach etwa fünfzig Metern hatte er mich eingeholt.

"Warum läufst du immer vor mir davon?" Er hielt mich von hinten an beiden Armen fest, flüsterte direkt in mein Ohr. Ich erkannte Cas dennoch.

"Lass mich los." Antwortete ich. Meine Stimme zitterte, mein Herzschlag schien meine Worte zu übertönen.

"Nur wenn du nicht davon läufst."

"Werde ich nicht." Versprach ich schnell. Ganz langsam lockerte er seinen Griff. Sobald ich entweichen konnte, brachte ich Abstand zwischen uns. Dann sah ich ihn an, schluckte. Ich war mir immer noch nicht sicher, ob rennen nicht doch die bessere Alternative war.

Cas lächelte mir zu. "Du bist gekommen."

"Ja. Ich... Ich bin neugierig. Warum hast du mich nicht umgebracht? Warum tust du es jetzt nicht?"

"Hör auf damit. Bitte. Ich habe noch nie einen Menschen getötet und ich habe es auch ganz bestimmt nicht vor. Hör auf in Klassen zu denken."

Ich runzelte die Stirn, konnte nicht verstehen, was er damit meinte. Zumindest damals noch nicht. "Ich verstehe nicht, was meinst du?"

"Natürlich nicht. Wie könntest du auch? Du kennst ja nichts anderes." Er sah mich einen Moment lang an. "Ich vergesse oft, wie geblendet ihr seid."

"Was soll das heißen?"

"Das wirst du bald verstehen. Komm, wir sollten von der Straße weg." Cas drehte sich um und lief in die Richtung, aus der er gekommen war. Das wäre meine Chance gewesen zu fliehen, aber stattdessen folgte ich ihm. Es sollte mich nicht interessieren, was er zu sagen hatte, aber das tat es.

 

Damals war ich noch so jung und dabei ist es noch gar nicht so lange her. Ich habe aber seit dieser Nacht so viel erlebt, dass es mir vorkommt wie Jahre, dabei sind es nur Monate.

Könnt ihr euch das vorstellen, wie es ist, wenn alles was du zu wissen glaubst, sich als Lüge entpuppt? Wenn sich wegen einer Person euer ganzes Leben radikal verändert? Euer Selbstbild, euer Umfeld, eure Arbeit - einfach alles? Wahrscheinlich nicht, aber ich greife der Geschichte voraus. Ich sollte erst einmal erzählen, wo Cas mich hingebracht hat.

 

Wir gingen zum Park. Das gefiel mir ganz und gar nicht, kein Wylder ging jemals in diese Anlage hinein, zu groß war unsere Angst vor Überfällen. Aber ich folgte Cas weiterhin, in den Park hinein. Aber ich ging jetzt ein Stück näher bei ihm. Er würde mich ja wohl nicht doch noch umbringen, oder? Obwohl mein Herz raste wie verrückt und es abgesehen vom Mondlicht stockfinster war, bemerkte ich die Schönheit meiner Umgebung. Es gab hier Teiche und Brunnen, weit angelegte Wiesen und hin und wieder ein Blumenbeet. Es gab Spielplätze für Kinder, Picknicktische und Sportplätze. Ich hätte nie gedacht, dass das alles hier so groß war.

"Es ist wunderschön hier." Bemerkte ich.

"Ja, das muss es zumindest einmal gewesen sein. Aber jetzt verkommt alles, weil sich niemand mehr hierher traut." Cas' Stimme klang bitter. Sobald er es erwähnte, fiel es auch mir auf. Das Gras war zu hoch, in den Beeten wuchs Unkraut, manche Tische standen schief, Schaukeln fehlten und der Asphalt des Weges war aufgebrochen. Plötzlich wirkte das ganze einfach nur noch traurig, wie das Überbleibsel einer anderen Zeit. Darüber dachte ich nach, bis wir plötzlich vor einer Mauer standen.

"Was ist das?" Fragte ich, als ich daran hoch blickte. Sie war bestimmt vier Meter hoch und aus glattem Beton. Egal ob ich nach links oder nach rechts sah - ich konnte kein Ende entdecken.

"Die Grenze zum Viertel der Blades." Plötzlich wurde mir wieder bewusst wo ich war und mit wem ich dort war. Ich schluckte, meine Muskeln spannten sich an, aber ich lief nicht davon. Cas bog nach rechts ab und lief an der Mauer entlang. Als ich zurückblickte fiel mir auf, dass der Weg erst direkt an der Mauer endete, so als wäre sie direkt auf ihn drauf gebaut.

"Geht der Weg auf der anderen Seite weiter?" Fragte ich.

"Ja, genau wie der Park. Den gibt es schon weitaus länger als die Mauer, wahrscheinlich sogar schon länger als die Klassenteilung. Sieh dir diesen Baum dort an: er ist bestimmt hundert Jahre alt." Ich war nie auf die Idee gekommen, dass der Park nicht zur Grenzanlage gehörte, sondern einfach nur am falschen Platz war. Geschweige denn, dass ich gedacht hätte, dass er auf der anderen Seite weiterging.

"Wie groß ist er, also der Park?"

"Keine Ahnung." Cas zuckte mit den Schultern. "Ein paar Quadratkilometer vielleicht."

"Wohin gehen wir?"

"Du hast ganz schön viele Fragen, kann das sein?"

"Ja, natürlich." Warum sollte ich auch keine Fragen haben?

"Eigentlich sollten Wylder doch nicht neugierig sein, aber du bist es."

"Was soll das denn heißen?"

"Ach, nur dass du einige Eigenschaften aufweist, die eine Wylder eigentlich nicht haben sollte: Neugier, Mut, Abenteuerlust."

"Ich bin eine Wylder." Erklärte ich bestimmt. Daran gab es schließlich auch gar keinen Zweifel. Meine Eltern waren Wylder, ich beherrschte weiße Magie, glaubte daran und fügte mich den Regeln. Es war doch wohl normal, dass ich auch ein bisschen anders dachte als andere, oder?

"Ja, vielleicht."

"Wie bitte?" Fragte ich gereizt nach, aber ich erhielt keine Antwort. Er war stehengeblieben und beugte sich gerade über den Boden, dann scharrte er einmal mit dem Fuß darüber.

"Du darfst keinem hiervon erzählen, das ist dir klar oder?" Er sah mich an.

"Natürlich nicht. Sie würden mich wahrscheinlich in psychiatrische Behandlung geben, wegen meiner Dummheit einem Blade zu folgen." Ich entlockte Cas ein Lächeln.

"Du musst es versprechen." Es schien ihm tatsächlich wichtig zu sein. Ich verdrehte nur die Augen. "Versprich, dass du mit niemandem außer mit mir über irgendetwas von dem, was du heute siehst, sprichst. In keiner Sprache. Du wirst es auch nicht aufschreiben, oder aufmalen oder in sonstiger Weise festhalten oder weitergeben. Versprich mir das."

"Versprochen." Ich überlegte gar nicht lange, denn mir würde sowieso niemand glauben. Mein Versprechen war bindend, schließlich war ich eine Wylder.

"Gut, dann komm." Cas bückte sich noch mal und griff in die Erde hinein. Mit einem Ruck richtete er sich wieder auf und öffnete dabei eine Falltür im Boden. Darin kamen steile Stufen zum Vorschein, die nach unten führten, in die absolute Dunkelheit. Cas ging voran, aber nur ein paar Stufen weit. Er ragte noch immer aus der Erde heraus, als er sich zu mir umdrehte. "Na los, komm schon."

"Wo führt der Tunnel hin?" Fragte ich im Gegenzug.

"Auf die andere Seite der Mauer." Ich wich zurück. Auf gar keinen Fall würde ich auch nur einen Fuß in das Viertel der Blades setzen.

"Was hast du denn?"

"Ich werde nicht da hinüber gehen."

"Vertraust du mir nicht?" Nur ganz kurz dachte ich darüber nach.

"Nein." Cas sah mich an und ließ ganz langsam die Hand sinken, die er mir entgegengestreckt hatte.

"Natürlich nicht." Er seufzte. "Wie könntest du auch? Du kennst mich schließlich gar nicht." Dann kam er wieder hoch und schloss die Falltür.

"Okay, eigentlich darf ich dir außerhalb von unserem Viertel nichts erzählen, weil wir dann nicht sicher sein können, ob du es auch wirklich ernst meinst. Aber auch wenn du mir nicht vertraust, dann vertraue ich immer noch dir. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie tue ich es. Komm, setze dich zu mir." Cas war während er sprach zur Mauer gegangen und hatte sich daran herunter gleiten lassen. Ich hatte nicht alles verstanden, was er gesagt hatte, aber ich setzte mich trotzdem zu ihm.

"Was möchtest du denn wissen?" Fragte er mich und lächelte. Obwohl es dunkel war, konnte ich sehen, wie seine Augen zu leuchten begannen, als er mich ansah. Zum ersten Mal, fielen mir seine schön definierten Gesichtszüge auf und dass sein Haar im Mondlicht ein wenig heller war, als tagsüber. Ich vergaß, was er mich gefragt hatte.

"Luna?"

"Hmm?"

"Was möchtest du wissen?" Das holte mich zurück, ich wurde rot und hoffte, dass er das im Dunkeln nicht sehen konnte.

"Ähm, keine Ahnung, alles mögliche." Ich sah hinauf zum Himmel und überlegte. "Wie... Wie kannst du ein Blade sein? Ich meine, weißt du nicht, dass es falsch ist, schwarze Magie anzuwenden?"

"Das ist eine ziemlich komplizierte Frage. Du glaubst doch, dass man in seine Klasse hinein geboren wird, warum fragst du dann?" Er wartete ab, ob ich antworten würde, aber mir fiel keine plausible Erklärung ein. "Weil du hoffst, dass es für mich einen Ausweg aus diesem Leben 'als Böser' gibt. Und dass obwohl du doch angeblich etwas anderes glaubst." Er ließ mir Zeit zu verstehen, was er gesagt hatte, bevor er weitersprach. "Um zurück auf deine Frage zu kommen: ich kann so leben, weil ich weiß, dass es nicht falsch ist."

"Das verstehe ich nicht. Es ist schwarze Magie, es ist..."

"Es ist Magie. Weder schwarz noch weiß, sondern genau die selbe wie deine."

"Nein. Ich bin eine Wylder, du bist ein Blade. Wir wenden unterschiedliche Magie an."

"Das redet man euch ein, ja. Aber eigentlich ist es genau das selbe. Nur dass ich mein volles Potential nutze und du dich hinter dem scheinbaren Wissen versteckst, es nicht zu können." Was meinte er denn? Als ich nichts sagte, seufzte er. "Ich habe dir doch gesagt, dass du aufhören sollst in Klassen zu denken. Und das solltest du wirklich, denn die Aufteilung in Klassen ist totaler Blödsinn. Kein Mensch lässt sich in eine Gruppe hineinzwingen, und niemand wird mit einer bestimmten Überzeugung geboren. Das reden sie euch nur ein."

"Das ist nicht wahr. Die Klassengesellschaft funktioniert schließlich."

"Ja, aber nur, weil jeder Angst davor hat auszubrechen." Ich sah Cas jetzt zum ersten Mal wieder an. Aber unsere Blicke begegneten sich nicht, denn er jetzt er nach oben in den Himmel. "Meine Mutter war eine Wylder."

"Was?"

"Ja. Sie war schon verheiratet, als sie meinem Vater begegnete - einem Blade. Als ihr Ehemann herausfand, dass nicht er der Vater ist, hat er sie und mich verstoßen. Wir haben dann außerhalb der Stadt gelebt, als Freie. Meine Mutter starb kurz vor meinem vierten Geburtstag. Alles, was ich noch von ihr habe ist die Erinnerung an ihr Lächeln."

"Das tut mir leid." Seine Geschichte klang so unglaubwürdig, dass es mir schwer fiel, ihn ernst zu nehmen, aber gleichzeitig hörte ich die Bitterkeit und die Trauer so deutlich in seiner Stimme, dass ich auch sofort wusste, dass er die Wahrheit sagte.

"Danke. Ich bin dann in ein Heim gekommen, zwei Jahre lang habe ich dort gelebt, bevor mein Vater mich fand und bei sich aufnahm. Ich weiß, dass die Klassengesellschaft Schwachsinn ist, weil ich der beste Beweis dafür bin." Endlich sah er mich wieder an. Wieder wusste ich nicht, was ich sagen sollte. "Du glaubst mir nicht." Er seufzte und wollte sich abwenden. Aber ich streckte wie automatisch die Hand nach ihm aus und legte meine Finger vorsichtig auf seinen Arm.

"Doch. Ich meine, ich denke schon. Es ist nur, wenn ich dir glaube, dann muss ich auch glauben, dass meine Eltern mich belogen haben und das will ich nicht."

"So darfst du das nicht sehen. Deine Eltern sind auch schon belogen worden, so wie ihre Eltern vor ihnen. Es ist ein raffiniertes Lügennetz, dass nach dem großen Krieg gespannt wurde und seitdem nicht einmal gewackelt hat."

"Die Regierung belügt uns also?"

"Davon gehe ich aus."

"Warum erzählst du mir das alles?"

"Wir Blades möchten nicht länger mitansehen, wie die Wylder ihr Leben vergeuden und die Freien in Angst leben. Wir müssen etwas tun. Aber noch sind wir zu wenige, um etwas ausrichten zu können, wenn alle Wylder hinter der Regierung stehen. Deshalb nehmen wir das Risiko auf uns und gehen in euer Viertel. Wir sind auf der Suche nach jungen Frauen und Männern, die die Seite wechseln könnten."

"Du, du möchtest, dass ich eine Blade werde."

"Vielleicht. Es ist komplizierter als es klingt. Wir versuchen euch die Augen zu öffnen und die meisten, die wir bis jetzt getroffen haben, sind dann freiwillig bei uns geblieben."

"Deshalb sollte ich auf die andere Seite. Damit ich nicht davonlaufe." Das begriff ich jetzt und plötzlich war ich wütend. Es war hier nie um mich als Person gegangen.

"Ja, ich meine, nein. Wenn wir losgehen, ist das normalerweise der Plan, aber bei dir... Ich weiß auch nicht. Ich möchte, dass du diese Entscheidung allein triffst, eine Entscheidung für das Richtige."

"Ich kann nicht einfach meine Familie und meine Freunde zurück lassen." Schon spürte ich, wie mein Ärger wieder nachließ, als Cas mich endlich ansah.

"Dann lass dir Zeit. Denk darüber nach. Ich werde dich finden und fragen, ob du bereit bist."

"Wann?"

"Bald, hoffe ich." Wir sahen uns einen Moment lang nur an und ich spürte, wie mir plötzlich ganz warm wurde.

"Ich sollte dich zurückbringen."

"Ja." Ich schüttelte den Kopf um wieder ein wenig klarer denken zu können, dann ließ ich mir von Cas aufhelfen. Meine Handfläche brannte, als er mich losließ.

Er begleitete mich bis zu unserem Haus, obwohl ich zu bedenken gab, dass er entdeckt werden könnte, aber er ließ es sich nicht ausreden. Bis ich endlich einschlief, dämmerte es bereits.

 

Cas hatte mir einiges zum Nachdenken gegeben. Für euch ging das Ganze jetzt wahrscheinlich ein wenig schnell - ich bin ja selbst den Rest der Nacht wach gelegen um darüber nachzudenken. Es lässt sich aber eigentlich ziemlich schnell zusammenfassen.

In 1. Meine Sicht der Dinge, vor dieser Nacht: die Blades sind gefährlich. Ihre Magie ist böse und sie setzen sie gegen andere ein. Jeder wird in seine Klasse hineingeboren, in die Klasse in die er gehört. Aber ich wollte nie die Hoffnung aufgeben, dass die Blades vielleicht irgendwie Wylder werden konnten. Wir Wylder sind gut, ehrlich. Wie unsere Regierung. Wir können nur weiße Magie anwenden.

2. Das, was Cas versucht hat mir zu erklären: das Klassensystem ist eine Lüge, die die Regierung gezielt lenkt. Jeder Mensch ist einzigartig und passt nicht unbedingt in seine Klasse. Alle können gleich viel Magie anwenden. Man kann die Grenzen der Klassen überwinden.

3. Meine Gedanken nach dem nächtlichen Treffen: totale Verwirrung. Ich wusste einfach nicht mehr, was ich glauben sollte. Ich wollte Cas je gerne glauben - aber ich konnte nicht in einer Nacht alles übereinander werfen.

Nach unserer Begegnung schlief ich schlecht. Ich machte meine Hausarbeiten schlampig und wurde drei Mal fast überfahren. Ich dachte nur noch über Cas nach. Am Anfang noch über das, was er gesagt hatte, aber irgendwann nur noch über ihn. Über seine blauen Augen, die braunen Haare, seine süße Nase. Darüber, wie er nur für einen Moment meine Hand gehalten hatte. Ich hatte in Büchern gelesen, dass man so über seinen Ehepartner nachdenken sollte, was mich nur noch mehr verwirrte. Wenn ich an Josh dachte, war da schließlich gar nichts. Was war das für ein eigenartiges Gefühl?

Lacht mich bitte nicht aus. Ich wusste es damals wirklich nicht, Liebe war für mich immer anders definiert gewesen. Heute ist mir klar, dass ich schon damals dabei war mich in Cas zu verlieben.

 

 

 

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