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Intermezzo

 

 

Ich gehe durch den Wald. Das ist alles, was ich noch zustande bringe: sinnlos nach vorn zu schreiten, ohne nach vorn blicken zu müssen. Ich begreife nicht, dass das keine Lösung für meine Probleme ist und noch weniger kann ich sehen, wie sehr ich Luna damit verletze. Ich will nur laufen, immer weiter laufen.

Als ich Tammy entdecke, ist es schon zu spät. Sie hat mich längst gesehen und kommt auf mich zu. Resignierend bleibe ich stehen, in der Hoffnung, dass sie nicht all zu viel reden wird.

"Cas! Was zur Hölle tust du hier?" Fragt sie mich.

"Ich gehe spazieren." Gebe ich zurück.

"Mitten in der Nacht?"

Ich zucke nur mit den Schultern.

"Du solltest bei Luna sein." Meint sie.

"Ich kann nicht schlafen."

"Dann geh und entschuldige dich wenigstens bei ihr!" Ich verstehe nicht, warum Tammy so sauer ist. Sie ist doch auch mitten in der Nacht hier draußen.

"Warum?"

"Ich hab immer gedacht, du wärst klüger, aber da hab ich mich wohl getäuscht. Du bist ein blinder Idiot." Tammys Worte erreichen mich nicht, ich sehe über sie hinweg in die Dunkelheit.

"Was machst du hier draußen?" Frage ich.

"Ich bin für die Wache eingeteilt." Ich kann ihren Blick auf mir spüren, aber ich beachte sie nicht weiter. Sie müsste mich doch eigentlich verstehen - warum tut sie es nicht? "Cas, bitte. Robin kommt nicht zurück, egal wie sehr wir trauern." Jetzt sehe ich sie wieder an.

"Nein, das tut er nicht. Er kommt auch nicht zurück, wenn wir weiterkämpfen. Warum sollten wir es also tun?"

"Was? Cas, wach auf! Es gibt so viel, für das wir kämpfen können. Jeder hat dich einmal bewundert, weil du das alles gesehen hast, weil du nie aufgegeben hast und jetzt - sieh dich an! Was ist nur aus dir geworden?"

"Für was soll ich kämpfen?" Schreie ich sie an. Sie zuckt zurück, wird aber selbst nicht lauter.

"Dafür, dass Robin nicht umsonst gestorben ist. Für deinen Vater. Für deine Mutter. Für Luna."

"Luna." Zum ersten Mal seit Wochen fällt mir wieder ein, wie viel sie mir bedeutet. Aber der Moment vergeht. "Es lohnt sich nicht zu kämpfen."

"Du Idiot." Zischt Tammy, "Ich bin hier die, die schwanger von einem Toten ist. Wenn jemand das Recht hat zu jammern, dann ich." Sie hat ihre Geduld verloren.

"Schwanger?" Mein Blick huscht zu ihrem Bauch. Niemand hat das gewusst, oder doch? Habe ich es nur nicht mitbekommen?

"Ja." Tammy beißt sich auf die Lippe. "Ich weiß es seit ein paar Tagen." Ohne es zu wollen, trete ich auf sie zu und lege meine Hand auf ihren Bauch. Sie legt ihre Hand darüber und erst denke ich, sie will mich von sich schieben, aber sie hält mich fest. "Dafür lohnt es sich zu kämpfen."

Und plötzlich sehe ich alles wieder klarer. Es ist, als würden mir plötzlich die Augen geöffnet werden. Ich begreife, wie beschissen ich mich Luna gegenüber verhalten habe, was das alles angerichtet hat. Auf einmal ist mein einziger Wunsch, dass es noch nicht zu spät für uns ist. Ich habe sie so sehr verletzt. Was bin ich nur für ein Idiot!

"Ja," sage ich, "ja, wir müssen kämpfen." Tammy scheint erleichtert zu sein, sie lächelt.

"Aber zuerst..." Beginnt sie.

"Zuerst muss ich mich bei Luna entschuldigen." Beende ich ihren Satz. "Danke." Ich umarme sie, bevor ich mich umdrehe und davon renne.

 

Mein Name ist Casper Mitchell. Gerade habe ich erkannt, dass ich so ziemlich der größte Dummkopf auf Erden bin. Gleich nachdem ich mich bei meiner Freundin entschuldigt habe, werde ich den Kampf vorbereiten. Den Kampf dafür, dass unsere Opfer nicht umsonst gestorben waren, dafür, dass die Unterdrückung endlich aufhört. Dafür, dass Luna und ich in Frieden leben können. Das ist mein Ziel. Und was ist deines?

 

 

 

 

 

 

 

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